Wochenrückblick: gestresst + versuchter Selbstmord

Kategorien Logbuch / Tagebuch

Ich weiß, es ist hier in letzter Zeit ruhig geworden, aber das liegt größtenteils an den folgenden Gründen:

  1. Rückkehr in’s Normalo-Leben ohne Chemo und Konsorten, aber inkl. Arbeit
  2. Gesundheit
  3. Vorbereitung auf unseren Jahrestag
  4. Sinnloser / familieninterner Stress

 

1. Rückkehr in’s alte Leben / Job

Da kann ich eigentlich kaum negatives berichten, aber die kleinen Dinge sind ausschlaggebend.

Klar ist’s schön, wenn man den ganzen medizinischen Standard (OP’s, Chemo und Bestrahlung) hinter sich hat und noch immer kein Rezidiv am MRT-Horizont erkennbar war.

Allerdings ist mein Leben dafür nun von kleinen Achtsamkeiten geprägt, die auch Zeit beanspruchen / einen teilweise im Schneckentempo vorankommen lassen. Dazu gehören so teils banale Dinge, wie:

  • der Verzicht von Alkohol. Da gibt es bereits seit Erstdiagnose keinen Tropfen Alkohol (Biere, Schnaps, whatever) angerührt (zumindest nicht bewusst, vielleicht wurde mir schon was untergejubelt und ich habe das garnicht bemerkt ;D 😛 )
  • die generelle Getränkeauswahl, welche von stillem Wasser bestimmt wird, oder der (größtenteils) Verzicht auf zuckerhaltige Säfte und all so Quatsch
  • die Umstellung auf gesündere / bewusste Ernährung, so dass man auch in Zeiten, in denen das Blutbild scheiße aussieht, gegensteuern kann und jetzt – in der Wartezeit bis zum Rezidiv – dem Körper genügend Input liefern kann, damit der selbst aktiv werden kann. Das heißt z.B. dass stets Bananen, Kiwis und Karotten im Haus vorrätig sind und frisch eingekauft wird, abwechslungsreich zubereitet wird, etc…….
  • die Vermeidung von Krankheitsherden, worunter Freunde und Kollegen leiden müssen. Das grenzt schon teils an Paranoia, aber wenn in der vollen S-Bahn 95% der Leute niesen, husten, etc. dann wechsel‘ ich eben den Waggon, kann man von halten, was man will, mir egal ^^
  • die Sativex-Dosis steigern/halten. Hier bin ich nach anfänglichen Ausreißern nach oben mittlerweile bei einem Rhytmus von 3 – 3 – 3 angekommen. Das heißt 3 Sprühstöße morgens, mittags, abends. Das ist je nach Tag und Befinden schwankend, aber ich versuche da an meine Disziplin zu appelieren – immerhin scheint ja irgendwas davon funktioniert zu haben 😉
  • Sport – zurzeit kaum präsent, aber dank Fahrraddiebstahl gehts zuletzt eben viele Wege in schnellerem Laufschritt – ist doch etwas aus der Reha-Zeit hängengeblieben ;D Da hieß es morgens immer: „nicht nur wandern, sondern schnelles Gehen!“

 

Was den Job betrifft muss ich mir selbst auch eingestehen, dass ich dieses Jahr (im Vergleich zu den Vorjahren ;D) dann doch ein paar Tage weniger im Büro aktiv war und sich die Maschinerie samt Hirn noch daran gewöhnen muss. Aber bisher gab es nie den Punkt, an dem ich alles hinschmeißen musste oder ähnliches – ich habe gelernt auf meinen Körper zu hören & wenn es da mal Phasen gibt, während derer ich einen Gang zurückschalten müsste, dann lasse ich das schon alle Beteiligten wissen. Der Mund ist zum Reden da.

2. Gesundheit

In letzter Zeit habe ich tagsüber zu wenig getrunken, was wiederrum dazu führt, dass man z.B. morgens leicht verschleimt aufwacht oder sich über den Tag ein bisschen schlappt fühlt – Stichwort Disziplin. ;D Flüssigkeit stellt das geringste Übel dar. Mehr Sorgen mache ich mir da um den Sport, der nämlich in der Jahreszeit und dank des Fahrraddiebes irgendwie zu kurz kommt. Aber da muss man dann wohl den inneren Schweinehund bekämpfen – alles machbar bis dato.

3. Vorbereitung auf unseren Jahrestag <3

Mein Hirn-Bro und ich haben ja nicht mehr lange und die Liaison jährt sich. Da muss ich natürlich Luftballons aufblasen, Kuchen backen und das Sativex kalt stellen. ;D Heute wurde schon gescherzt, dass doch wieder ein Tisch in dem Restaurant bestelllt ist, in dem alles begann, aber ich bin diesmal absent und als Grinch sowieso noch nie richtig für die Feiertage zu begeistern gewesen. ;D Immerhin gibt es aber dank der Feiertage ein paar fixe Termine, zu denen sich die Familie versammeln kann. Damit habe ich dann auch die perfekte Überleitung zum letzten Punkt auf der Tagesordnung.

4. Sinnloser / familieninterner Stress

Hierzu kann und will ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht viel sagen, aber zwischen-/menschlich irgendwie sehr seltsam. Bis dato daher auch nur ein Unterpunkt im Buch, aber wer weiß welche Wendungen es hier noch zu bewundern gibt, auf jeden Fall ganz großes Kino bisher – hätte kein GZSZ-Autor besser schreiben können.?? Einzig, dass es allmählich auch auf die eigene Gesundheit geht, nervt mich mega. Wenig Schlaf, mehr rauchen, kein Sport, etc. ? Aber wie gesagt: Abwarten, was da kommt & bis dahin an den unter 1. genannten Punkten arbeiten, dann läuft das schon, irgendwie, denke ich mal. ???✌

Selbstmord

Vorhin hatte mein Bad dann noch die willkommene Begrüßung parat:
Hatte sich Föni doch das eigene Ertrinken zum Ziel gesetzt ?

Keine Sorge, Föni konnte rechzeitig geborgen, reanimiert werden und liegt derzeit stationär auf dem Heizkörper, die betroffene Steckdose musste lediglich ambulant behandelt werden und ich habe mir weder den Hintern, noch Hoden unter Strom gesetzt ??

Also alles im Lot soweit, der Gerät wird über Nacht trocknen, hoffe ich zumindest & dann ist er wieder voll einsatzfähig & mir gehts auch gut, was die Aktion betraf.

Erholsame Nacht &’so!❤ ??

22 Gedanken zu „Wochenrückblick: gestresst + versuchter Selbstmord

  1. Hi Erik!
    Schön, wieder von Dir zu lesen. Hört sich ja nach „dem ganz normalen Wahnsinn“ des Lebens an? Und ja, wenn’s Stress in der Family gibt, dann ist es garantiert in der Weihnachtszeit. Noch viel Spaß beim“rumgrinchen“ und mach weiter so.
    Liebe Grüße aus dem Saarland
    Sandra

  2. Hey Großer, Lektion gelernt und du machst ALLES richtig! Bewegung ist im Winter immer so ein Stiefkind, aber einen Ritt über`n Weihnachtsmarkt? bei „Kinderpunsch“ verschafft dir Bewegung und frische Luft! Mich hat so ein mieser, kleiner ?“Niesvirus“ erwischt, dem muss ich heute beikommen mit……Ruhe, was mir echt nicht leicht fällt?! Ach, meine Empfehlung…?, ich gehe jetzt mit Mundschutz in die Schule(Job)! Auch gut für Bus und Bahn!! Schönen 1. Advent!

    1. Na bei gutem MRT bin ich jetzt in der Pause, wenn wieder etwas aufblitzen sollte geht’s vllt metronomisch weiter. Ich folge einfach dem medizinischen Standard ??✌

    2. Dito!!!! & Ja mach ich ja auch aber das merinomische behalte ich mir dann wirklich fürs Rezidiv auf oder sollte man dennoch schön weiter Chemo’en? Immer her mit den Infos ??

    3. Wir haben auch lange überlegt, aber es gibt einige Hinweise, dass mehr Zyklen mehr bringen, wenn man Temodal gut verträgt. Und unser Plan war immer, dass Rezidiv für so lange wie möglich zu vermeiden. Deswegen hatte Papa 15 Zyklen Temodal und jetzt metronomisch. Erst dachten wir auch, dass wir metronomisch fürs Rezidiv aufheben, aber das widerspricht ja unserem Plan ? Also kommt im Rezidivfall CCNU zum Einsatz. Ich hab damals auch ein paar Studien gefunden, die zu unserem Plan passen ?
      https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/28798282/?i=2&from=temozolomide more cycles
      https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/28881684/?i=1&from=temozolomide more cycles

    4. Und wenn wir alle noch ein paar Jahre durchhalten, kann ich dir heut Abend die nächste Story liefern, vllt ist dann garkeine Chemo mehr notwendig ?? werde mich jetzt erstmal an die Links machen und stöbern ??❤

  3. Halt dich tapfer du Held der Haartrockner. (Aus der Abteilung unnützes Wissen:Die Bezeichnung „Fön“ ist rechtlich geschützt von der Firma AEG, der Rest sind Haartrockner.) Was die Paranoia angeht, willkommen in meinem Leben und ich habe weit weniger Grund, die widerlichen Virenschleudern zu fliehen. Grinch, Erik. Grinch! ?
    Zitat aus „Jo is denn schon Weihnachten?“: ….Ach ja, nicht zu vergessen, die Rotz- und Sprotzzeit, die sich schon über die Werbung für Antischnupfmittelchen aller Art ankündigt. In jeglichem Zusammenhang in dem man in dieser unsäglichen Zeit auf Menschen trifft, hustet, schnieft und prustet es aus sämtlichen Gesichtsöffnungen. Laut und leise in allen Tonlagen und einer Farbpalette von zarten Tönen in schleimig-gelb bis eitrig-grün, keine Wünsche an die winterliche Kollektion offen lässt. Da hilft das fluchtartige Verlassen des jeweiligen Ganges, sofortige Einstellung des Atemvorganges bis zur Ohnmacht, schildkrötenartiges Einziehen des Schädels unterhalb des Schleimhäuteäquators, tief unter achtundzwanzig Lagen des dicken Schals, ebenso wenig, wie das panikartige Verlassen des viralen Eldorados. Ein paar sehr findige Virenmultiplikatoren haben ein perfides Mittel gefunden, ihre Bakterien fast unbemerkt mit der undankbaren Umwelt zu teilen. Ich kann aus diesem Grunde seit vier Wochen niemals mehr in meinem Leben Blumenkohl essen. Als unfreiwilliger Beobachter folgender Szene, die mich so paralysierte, dass ich weder einschreiten, noch abwenden konnte. Ein Rentner wühlte in einer Kiste von Blumenkohlköpfen und redete mit jedem Einzelnen.“Na, na, du bist zu klein. Komm doch mal her, nein, zu klein. Na komm schon. Du bist schön…“ So sabbelte und krabbelte er ohne Unterlass in den blassen Vitamin C Bomben. Dieser, sagen wir mal, schon sehr eigene Umgang mit profanem Gemüse, zog meine volle Aufmerksamkeit auf dieses ungleiche Kohlkopfduett. Während er so brabbelte, mischte sich ein leichtes Kratzen und Räuspern auf seine schwingenden Stimmbänder. Dem Räuspern folgte ein stolperndes Hüsteln. Das Hüsteln steigerte sich in ein bellendes Husten. Meine Augen weiteten sich vor Entsetzen und Ekel. Der debile Sack steckte kopfüber in der Kohlkiste, hatte einen hochroten Kopf und Brüllhusten mit Auswurf. Bäche von Sekret tropften und sprühten über das jungfräuliche Weiß, gefolgt vom unteren Teil seines Zahnersatzes. DAS IST KEIN SCHERZ! Mit Würgreiz und Unverständnis für die „Alten Leute von Heute“, rannte ich ohne Einkauf aus dem Laden, sprang in meinen Fluchtwagen und schwor mir nie wieder dort und nie wieder Blumenkohl einzukaufen. Ich weiß, warum ich zwar auf Umverpackungen wenn möglich verzichte, aber alles Obst und Gemüse vor dem Verzehr heiß abwasche. Die letzten Jahre halte ich mir die Virenschleudern mit bösem Blick, ausgefahrenen Ellbogen, einer Mischung aus Ingwer, Zitrone und Honig und Bewegung vom Leib. Daumen drücken für die aktuelle Schwemme, die laut FB Timeline auch immer mehr meiner Kollegen und Freunde mit sich nimmt….

  4. Wieder alles sehr treffend verfasst xD und mal wieder ist man beim lesen zwischen schmunzeln und Pipi in den Augen…
    Kaum zu glauben dass das alles schon ein Jahr her ist…bin stolz auf dich in jeder
    Hinsicht ?✌

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