Danke, Glioblastom – Hauskauf vorerst adieu

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In den letzten Wochen und Monaten haben meine Freundin, das Glioblastom und ich uns immer mehr mit dem Thema Hauskauf beschäftigt.

Mit einem Blick in meine Gesundheitsakte mag das komisch klingen, ist aber so.

Als gelernter Immobilienkaufmann hatte ich null praktische Erfahrung was den Kauf vom Eigenheim angeht. Klar, die Theorie und alles was dazu gehört, war mir geläufig.
Wie heißt aber immer so schön: Die Theorie träumt, die Praxis belehrt.

Der Plan

Der Plan war, uns ein eigenes Reich zu schaffen. Ein Haus mit Garten, unserer beiden Familien und Freunden nah gelegen und mit Blick auf mögliche Nachkömmlinge und auch für uns als Absicherung / Wertanlage. Es uns einfach schön machen und statt Miete zu zahlen, einen Mehrwert schaffen.

Erfahrungen sammeln

Wir haben uns ein grobes Budget zurechtgelegt, die üblichen Portale abgegrast und uns auf Inserate, die uns zusagten, gemeldet. Daraufhin kam es relativ zügig zu ersten Besichtigungen.
Nach einem dieser Termine war noch genügend Luft, so dass wir, schon vor dem eigentlichen Termin mit dem Makler, an einer anderen Immobilie vorbeischlendern konnten.

In der Straße stehend und auf das zu verkaufende Haus blinzelnd wurden wir nach kurzem Smalltalk schon vom ’neuen Nachbarn‘ auf offener Straße begrüßt und mit diesem direkt zum zu verkaufenden Haus geführt. Der Verkäufer lebte nämlich noch in der Immobilie.

So stand er auch sichtlich perplex, im weißen Oberhemd am Fenster, als unser Begleiter ohne viel Gerede den Klingelknopf drückte. Zwei sichtlich befreundete, ältere Herren, brüllen sich also lautstark an. Der eine hat uns beinahe an die Hand genommen und steht nun mit uns auf der Straße am Gartenzaun, will uns das Haus zeigen und dem Verkäufer stolz die eben kennengelernten, neuen Nachbarn vorstellen. Der andere schaut zum Fenster heraus und winkt in seinem weißen Feinripp ab, da er gerade Essen auf dem Herd zu stehen hat und das doch gleich anbrennt. Überhaupt, was sich unser Begleiter erlaubt. Der wiederum erwidert, dass es doch nur darum ginge, dass Juli und ich uns mal im Haus umschauen wollen. 🤣 Wie unangenehm. 😁🤣 Wir lösen die Unterhaltung auf, da wir ja bereits einen Termin mit der zuständigen Maklerin haben und der Verkäufer jetzt nicht von seinem Nachbars-freund dazu gedrängt werden müsse uns Zugang zu seinem Haus zu gewähren.

Was bleibt: Nachbarn kann man sich nicht aussuchen, zumindest nicht die, die bereits rund um die Immobilie wohnen. 🤣

Der nächste Favorit sah auf nach den Angaben im Exposé auch nicht verkehrt aus, spielte aber in einer anderen Preisklasse. Wir entschlossen uns dennoch mit dem Makler das Haus zu besichtigen. Einfach um Erfahrungen zu sammeln, den Blick zu schärfen und einen Eindruck zu bekommen, was in unserer Preisklasse wohl möglich sein könnte.

Die Sonnenblume unter all den Brennnesseln

Nach all den guten und weniger guten Angeboten – bei einigen weniger guten Stand das Preis-/Leistungsverhältnis in keinerlei Relation – haben wir ein nahezu perfektes Häuschen gefunden. Nahezu perfekt?

Beim ersten Besichtigungstermin machten wir beide großen Augen.

Garten riesig, urig und mit viel Potential, ein Keller, Erdgeschoss, Obergeschoss, begehbarer Dachboden und dazu ein kleiner, gemauerter Schuppen. Auch die Lage war ideal.

ABER: Das Haus war definitiv sanierungsbedürftig. Genauer gesagt: eine Kernsanierung ist fällig. Auch das haben wir berücksichtigt, Pläne geschmiedet und mit Freunden und Familie zusammen die komplette Sanierung besprochen. Alles machbar und dann unser Reich.

Wir stellen unsere Finanzen auf den Kopf, loten unsere Grenzen aus, holen Finanzierungsangebote ein, lassen uns von mehreren Seiten beraten und stellen alles allmählich auf stabile Beine.

Finanzierung steht – Glioblastom Incoming

Nun haben wir also ausreichend Erfahrungen gesammelt, für uns festgehalten worauf es uns beiden ankommt, haben uns gemeinsam realistische Ziele gesetzt, offen über die Zukunft gesprochen, uns peu à peu die richtigen Fragen gestellt, uns belesen und zusammen viel gelernt. Teamwork par excellence.

Ohne Druck, aber mit einer ordentlichen Portion Motivation, haben wir das Projekt in Angriff genommen.

Einzig die Frage, wie wir uns gegen meine Diagnose/Prognose absichern könnten stand noch offen. Dann trat die Risikolebensversicherung auf den Plan. Idee an sich gut. Wir nehmen eine Finanzierung an, erwerben damit die Immobilie, sichern mit dieser auch die Sanierung ab und sind für den Todesfall gewappnet.

Mit meiner Diagnose Glioblastom ist es allerdings schwierig / unmöglich, eine solche Versicherung abzuschließen. Wer würde schon einem todkranken Geld in Aussicht stellen?

Unheilbar, Prognose, Krebs, Glioblastom, bösartiger Hirntumor, um nur ein paar Stichwörter zu nennen, die im Ablehnungs-Bullshit-Bingo für reichlich Treffer sorgen. 🤣

Ohne diese Absicherung wäre es allerdings auch kopflos, sich für die kommenden 20/25/30 Jahre zu verschulden.

Sollte ich nicht mehr da sein, muss meine Freundin eine Finanzierung stemmen, die eigentlich auf zwei Personen ausgelegt war, somit bleibt ein hartes und zugleich bitteres Fazit:

 

Wenns nicht sein soll, dann soll es eben einfach nicht sein.
Wer weiß wozu das alles rund um den Hauskauf gut war. 🙂

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5 Gedanken zu „Danke, Glioblastom – Hauskauf vorerst adieu

  1. wie schön, dass du deinen Optimismus in jeder Lebenslage beibehältst.
    Es wird seine Richtigkeit haben, dass das mit dem Eigenheim zum jetzigen Zeitpunkt nicht klappt…… wenn es irgendwann an der Zeit ist, wird es so sein.
    (… nur das mit der Zeit, das ist so eine Geduldsprobe und Geduld ist irgendwie nicht meins….. und eh, da ja keiner, ob gesund oder krank, weiß, wieviel er noch auf seinen Zeitkonto hat….)
    Ich lerne gerade immer mehr, dass scheinbar geplatzte Gelegenheiten /Chancen gar keine geplatzten Eventualitäten sind, sondern ein (fast perfekter) Lehrmeister……
    Alles Gute für euch 🍀🌞

    1. Genauso sieht’s aus 😁 nur das es in diesem Beispiel mit verstrichener Zeit immer teuerer wird. 😁
      Ja dieses Geduldsding…. Versuch so wenig Emotionen/Hoffnungen reinzustecken, wie nur geht. Ganz nüchtern betrachten. 😁 Ist mir in dem Fall misslungen 🤣

  2. Das macht wütend – richtig wütend – kann ich gut verstehen. Aber es ändert halt einfach nichts an der Tatsache, dass ein unheilbarer Tumor von keiner Institution versichert wird … oder der Typ, der den fiesen Mitbewohner mit sich rumträgt. Fazit: Krebs ist und bleibt ein Arschloch, man kann es drehen und wenden wie man will. Und ich hätte es euch so gegönnt! 🙁 Aber hey: Schön den Kopf über Wasser halten … 🙂

  3. Auch wenn mich alle immer für verrückt halten…..das sollte so kommen/sein. Und es ist gut so!! Es gibt sicher noch einen Plan B. Ich bin zwar kein Freund von eigener Immobilie (es sei denn. es ist ein 3-4 Seitenhof) aber was ist mit mieten, am Stadtrand mit Garten…ab in die Natur!Oder sogar Mietkauf….oder jeet dat ooch nich?!? Oder Gartenlaube mit Wohnrecht/Gehnemigung…du bist doch vom ImmoFach, oder? Also, irgendwas geht….Jurte???!🤣Wir zirkeln ja auch noch…aber irgendwas geht zum Schluß immer!!

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